Unterwegs mit Barbara
Drohnenpiloten bringen dich dazu, freiwillig mitten in der Nacht aufzustehen, nur weil das Licht perfekt wird. Sie behaupten ernsthaft, dass sich eine Stunde frieren auf einem Berg lohnt, nur für ein paar Minuten Himmel in Orange, Rosa und Gold.
Sie nennen es Spaziergang, meinen aber eine Wanderung mit gefühlt hundert Drohnenstopps. Und kaum denkt man, jetzt sind wir endlich angekommen, klettern sie auf jeden noch so kleinen Hügel, nur um ein bisschen mehr Sicht zu bekommen.
Und am Schluss, wenn man das Gefühl hat jetzt geht es nach Hause, heisst es: „Nur noch einen Shot“.
Drohnenpiloten ticken manchmal anders, aber vielleicht ist genau das ihre Stärke.


Teil 2 beginnt meistens genau dann, wenn du denkst, jetzt geht’s endlich nach Hause.
Falsch gedacht, denn plötzlich bleibt die Drohnenpilotin mitten auf dem Rückweg wieder stehen. Ohne Vorwarnung, mit diesem Blick Richtung Himmel, als hätte sie gerade eine göttliche Eingebung bekommen.
„Warte kurz… das Licht!“
Und ehe du reagieren kannst, steht die Drohne schon wieder in der Luft. Natürlich genau dort, wo du dich eben mühsam hingesetzt hast. Also heisst es wieder: Rucksack schultern, weiterlaufen und möglichst nicht ins Bild geraten.
Mittlerweile hast du gelernt, dass „nur noch schnell“ ungefähr eine halbe Stunde bedeutet und „der perfekte Shot“ grundsätzlich immer hinter dem nächsten Hügel wartet.
Während du langsam erfrierst, völlig übermüdet irgendwo im Nirgendwo stehst und dich fragst, warum du dir das eigentlich antust, schaut die Drohnenpilotin glücklich in den Himmel und sagt: „Boah, schau mal diese Farben!“



Teil 3 beginnt dann, wenn du wirklich glaubst, jetzt sei endgültig Schluss.
Die Drohne ist eingepackt, die Sonne längst weg und du sitzt schon halb im Auto. Innerlich bereit für Zuhause, Essen und endlich Wärme. Doch plötzlich hörst du diesen Satz: „Warte kurz… ich hab noch eine Idee.“ Ab diesem Moment weisst du: Wir fahren heute niemals nach Hause.
Also steigt die Drohnenpilotin nochmal aus, läuft mit voller Motivation zurück Richtung Aussichtspunkt und du trottest automatisch hinterher. Nicht freiwillig. Das passiert einfach irgendwann.
Während normale Menschen nachts schlafen, steht ihr irgendwo im Dunkeln auf einem Hügel und diskutiert darüber, ob Nebel „cinematischer“ wirkt.
Und egal wie kalt, spät oder anstrengend es ist: Sobald irgendwo ein kleines bisschen Licht auftaucht, leuchten die Augen der Drohnenpilotin heller als die Sonne selbst. Du dagegen leuchtest höchstens noch vor Müdigkeit.
Irgendwann kommst auch du wieder nach Hause. Komplett müde, halb erfroren und mit dem festen Vorsatz: „Das mach ich nie wieder.“
Du lässt dich aufs Sofa fallen, spürst plötzlich jeden einzelnen gelaufenen Kilometer und fragst dich ernsthaft, warum man freiwillig mitten in der Nacht Berge hochläuft, nur damit eine Drohne ein paar schöne Aufnahmen machen kann. Du nimmst dir fest vor, nie wieder mitzukommen. Ein paar Tage später stehst du doch wieder irgendwo auf einem Hügel. Im Dunkeln, mit kalten Händen und hörst: „Nur noch einen Shot.“


Mein Fazit: Überleg dir gut, ob du wirklich eine Drohnenpilotin begleiten möchtest.
Denn das ist kein normaler Ausflug. Das ist ein Mix aus Nachtwanderung, Orientierungslauf, Survival-Training und verstecken spielen.
Du wirst frieren.
Du wirst laufen.
Du wirst irgendwo im Nirgendwo stehen und dir anhören müssen, warum genau diese eine Wolke „perfekt“ aussieht.
Und irgendwann wirst du akzeptieren, dass „nur noch ein Shot“ niemals wirklich nur ein Shot ist.
Aber ganz ehrlich? Irgendwie macht genau das den ganzen Wahnsinn auch wieder lustig. Denn während du halb erfrierst und müde den nächsten Hügel hochläufst, steht die Drohnenpilotin da, komplett glücklich wegen ein bisschen Licht am Himmel.
Und genau in diesem Moment verstehst du plötzlich, warum sie das alles macht.

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